Unser Schulprojekt

Nachfolgend möchten wir Ihnen ein Projekt vorstellen, welches den Unterricht in Sinneskunde oder Ethik bereichern kann. Die Idee und das Grundgerüst dazu erhielten wir von der Beratungsstelle Gera des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Thüringen. Wir haben es mit freundlicher Genehmigung für uns angepasst und weiterentwickelt. Derzeit betreut ein Team von 6 blinden bzw. sehbehinderten Personen das Projekt in ehrenamtlicher Arbeit.

"Anders sehen, anders sein!?"

Nicht jeder Mensch kann seine Umwelt mit allen Sinnen wahrnehmen.

Was bedeutet es, wenn von „Blindheit“ oder „Sehbehinderung“ die Rede ist?

Welche Besonderheiten im täglichen Leben bringt eine starke Einschränkung des Sehvermögens mit sich?

Wie meistern blinde und sehbehinderte Menschen ihren Alltag? Was können sie, was können sie nicht?

Was sollte im Umgang miteinander beachtet werden?

Zu diesen und anderen Fragen möchten wir gern ins Gespräch kommen. Unser Ziel ist, ein größeres Verständnis für Menschen mit Behinderung zu vermitteln.

Unser Angebot richtet sich in erster Linie an Schulen, ist jedoch nicht darauf beschränkt. Wir freuen uns über jede Anfrage.

Wir bieten an, dass Blinde und Sehbehinderte mindestens zu zweit Projekttage gestalten. Es stehen 4 Module mit unterschiedlichen Themeninhalten zur Wahl. Die Teilnehmer können viele praktische Erfahrungen mit allen Sinnen sammeln. Zahlreiche Materialien kommen zum Einsatz, wie spezielle Hilfsmittel, Simulationsbrillen und DVDs.

Ein Modul dauert mindestens 90 Minuten, zusätzliche Pausenzeiten planen wir individuell nach Absprache ein. Es werden maximal 2 Module pro Tag durchgeführt. Wir benötigen ca. 20 Minuten Zeit zur Vorbereitung und um uns mit den Räumen vertraut zu machen. Für eine erlebnisreiche Gestaltung mit vielen Materialien bitten wir um einen Beitrag von 50 Cent pro Teilnehmer und Modul.

Von Montag bis Donnerstag stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Bitte melden Sie sich spätestens zwei Wochen vor dem gewünschten Termin bei uns. Die Kontaktdaten finden sie auf der 1. Seite dieses Schreibens.

Wir danken für Ihr Interesse und freuen uns auf Ihre Anmeldung.

Modul 1 - Aktion „Information“

In der Geschichte „Jonas bekommt eine Brille“ erfahren die Kinder, was Hinweise auf einen Sehfehler sein können und dass sich eine Brille positiv auswirken kann. Sind Brillenträger anwesend, werden ihre Erfahrungen einbezogen.

Anhand einer Zeichnung und des Augenmodells (wenn vorhanden) schauen wir uns Aufbau und Funktion des Auges an. Mit Simulationsbrillen und spielerischen Aktionen erhalten die Schüler einen Eindruck, wie sich einige Seheinschränkungen auswirken. Das Video „Guck mal, wie der guckt“ zeigt in 10 Minuten den Schulalltag eines sehbehinderten, 8-jährigen Jungen.

Teilerkenntnis 1:
Das Auge funktioniert wie eine Kamera. Es nimmt auf, was wir sehen und gibt diese Informationen an das Gehirn weiter. Dort entsteht dann das fertige Bild.

Teilerkenntnis 2:
Wenn man kleine Hinweise, z.B. schiefe Kopfhaltung oder „Nase ins Buch stecken“ ernst nimmt und rechtzeitig zum Augenarzt geht, können viele Sehfehler leicht korrigiert werden. Eine Brille ist normal - kein Grund, sich zu schämen – kein Grund, jemanden auszulachen.

Teilerkenntnis 3:
Sehbehindert ist, wer trotz Korrektur weniger sieht als jemand mit voller Sehkraft. So wird z. B. ein Gegenstand erst in einem geringen Abstand wahrgenommen, den ein gesundes Auge schon aus 10 Meter Entfernung erkennt.

Teilerkenntnis 4:
Personen mit verschiedenen Seheinschränkungen haben eine sehr unterschiedliche Wahrnehmung. So wird z. B. von einem Bild nur ein Teil erkannt oder das ganze Bild verschwommen gesehen.

Teilerkenntnis 5:
Blind bedeutet nicht, dass alles schwarz ist. Als blind gilt, wer eine so geringe Sehstärke hat, dass er sich in einer ihm unvertrauten Umgebung ohne Hilfe nicht zurechtfindet.

Teilerkenntnis 6:
Es gibt Hilfsmittel, die das Sehen erleichtern. Mit optischen Hilfen kann eine niedrige Vergrößerung, mit elektronischen Hilfen eine hohe Vergrößerung erreicht werden.

Bitte stellen Sie für Modul 1 ein Augenmodell sowie einen Fernseher und DVD-Player bereit.

Modul 2 - Aktion „Alltag“

sind Wir zeigen, mit welchen Hilfestellungen man sich den Alltag erleichtern kann und stellen viele unterschiedliche Hilfsmittel vor. Von ganz einfach, wie Sockensortierer, bis zu sprechenden Hilfen, wie ein Farberkennungsgerät.

In kleinen, gemeinsamen Rollenspielen zeigen wir, wie man mit blinden Menschen am besten kommunizieren und ihnen richtig helfen kann.

Teilerkenntnis 1:
Im Alltag blinder und sehbehinderter Menschen gibt es einige Einschränkungen die, mit den entsprechenden Hilfsmitteln gut zu bewältigen sind.

Teilerkenntnis 2:
Ordnung spielt eine besondere Rolle. Alles braucht seinen festen Platz. So ist es bei Bedarf schnell zur Hand und muss nicht erst gesucht werden.

Teilerkenntnis 3:
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Dinge zu unterscheiden. Oft sind Unterschiede in Größe und Form hilfreich. Bei äußerlich gleichen Gegenständen kann entweder ein Markierungspunkt oder eine mit Blindenschrift bedruckte Folie aufgeklebt werden.

Teilerkenntnis 4:
Das Zifferblatt der Uhr ist eine Möglichkeit, um zu veranschaulichen, was sich auf einem Teller befindet. So sagt man beispielsweise: „Die Kartoffeln liegen zwischen 1 und 3 Uhr, das Schnitzel von 4 bis 8 Uhr, die Zitronenscheibe auf 9 Uhr...“.

Teilerkenntnis 5:
Es gibt ein sogenanntes „Training der lebenspraktischen Fähigkeiten“ (LPF). Dabei werden nützliche Hilfestellungen und die Anwendung notwendiger Hilfsmittel erlernt.

Teilerkenntnis 6:
Viele Spiele können Blinde und Sehende ohne großen Aufwand miteinander spielen. Es gibt auch Spiele, die so angefertigt werden, dass sie besonders gut für hochgradig Sehbehinderte geeignet.

Teilerkenntnis 7:
Hilfe ist oft willkommen, jedoch nicht immer nötig. Wer helfen möchte, sollte vorher das Gespräch mit der betreffenden Person suchen und klären, ob und wie geholfen werden kann.

Teilerkenntnis 8:
Es ist nicht richtig einfach „zuzupacken“. Keiner möchte plötzlich von einer unerwarteten Berührung eines anderen überrascht werden.

Teilerkenntnis 9:
Da Menschen mit einer Sehbehinderung ihre Umgebung nur mit Einschränkungen wahrnehmen, ist es für einen guten Umgang sehr wichtig, miteinander zu sprechen.

Teilerkenntnis 10:
Auch für blinde Menschen gehören Redewendungen wie: „Guck mal“ oder „Auf Wiedersehen“ zum täglichen Sprachgebrauch. Sie können also problemlos verwendet werden.

Modul 3 - Aktion „Kommunikation“

Seit über 200 Jahren gibt es Blindenschrift, die nach ihrem Erfinder Louis Braille auch „Brailleschrift“ genannt wird. Die Schüler können sie mit Alphabeeten, Steckleisten und einer Punktschriftschreibmaschine selbst ausprobieren.

Bei einem Spiel geht es darum, Namen zu entziffern und der richtigen Person zuzuordnen. An unserem Laptop zeigen wir, wie Blinde und Sehbehinderte am Computer arbeiten.

Teilerkenntnis 1:
Blindenschrift wird ins Papier gestanzt und mit den Fingern gelesen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sie zu schreiben.

Teilerkenntnis 2:
Als Grundlage für das Alphabeet dient die 6-Punkt-Kombination eines Würfels. Daraus werden die einzelnen Buchstaben gebildet.

Teilerkenntnis 3:
Eine Punktschriftschreibmaschine hat 6 Tasten für die einzelnen Punkte und eine Leertaste. Wer Brailleschrift mit der Hand schreiben möchte, kann eine Schreibtafel verwenden. Das ist z. B. für Postkarten sinnvoll.

Teilerkenntnis 4:
Gedruckte Blindenschrift ist sehr umfangreich und benötigt viel Platz. Eine Seite Schwarzschrift sind ca. 2 Seiten Punktschrift. Daher sind Hörbücher eine willkommene Ergänzung des Literaturangebotes.

Teilerkenntnis 5:
Es gibt tastbare Reliefs, um Dinge zu veranschaulichen. So erhalten blinde Menschen einen Eindruck von ihrer Umwelt.

Teilerkenntnis 6:
Blinde schreiben am Computer mit einer üblichen Tastatur. Eine sogenannte „Braillezeile“ gibt den Text in Blindenschrift wieder. Sehbehinderte arbeiten mit Vergrößerung. Zusätzlich besteht die Möglichkeit einer Wiedergabe des Textes durch Sprache.

Teilerkenntnis 7:
Auch das Handy ist ein wichtiges Kommunikationsmittel. Es ist mit Sprache ausgestattet, Menüs und Anwendungen werden angesagt. Neuste Technik ermöglicht, es sprechend zu bedienen.

Teilerkenntnis 8:
Das Internet ist gut nutzbar, wenn die Seiten überwiegend textorientiert gestaltet sind. Hilfreich ist auch, wenn graphische Elemente als solche gekennzeichnet sind.

Teilerkenntnis 9:
Einige handwerkliche Berufe, die für hochgradig Sehbehinderte gut geeignet sind, sterben langsam aus. Dank technischer Hilfsmittel können sie in modernen Berufen arbeiten. Es ist oft schwierig, eine geeignete Tätigkeit zu finden. Viele Arbeitgeber haben, aufgrund von Unwissenheit, Berührungsängste.

Für dieses Modul bitten wir Sie, einen Beamer bereit zu stellen.

Modul 4 – Aktion „Umwelt und Verkehr“

Wie orientieren sich Blinde und Sehbehinderte im öffentlichen Straßenverkehr? Die Schüler lernen den Langstock, das Blindenleitsystem und die Blindenampel kennen. Sie können ausprobieren, wie man den sogenannten „weißen Stock“ richtig nutzt.

Ein kleiner Film zeigt wie wichtig eine gute Zusammenarbeit zwischen Führhund und Halter ist.

Teilerkenntnis 1:
Wenn die Umwelt ihren Bedürfnissen entsprechend gestaltet ist, finden sich Menschen mit Seheinschränkungen besser zurecht.

Teilerkenntnis 2:
Starke Kontraste erleichtern Sehbehinderten die Orientierung.

Teilerkenntnis 3:
Ein Langstock oder ein Führhund sind oft eine große Hilfe. In einer entsprechenden Schulung lernt man, sie richtig einzusetzen.

Teilerkenntnis 4:
Das Blindenleitsystem für den Langstock besteht aus verschiedenen Platten, die auf Gehwegen verlegt sind. Noppen dienen als Aufmerksamkeitsfelder, Rillen zeigen die Laufrichtung an.

Teilerkenntnis 5:
Ein Führhund lernt verschiedene Kommandos, um dem Blinden zu helfen. Hund und Halter müssen gut miteinander harmonieren und sich aufeinander verlassen können.

Teilerkenntnis 6:
Wie jeder andere Hund benötigt ein Führhund Pflege und Fürsorge. Durch Kenndecke und Führgeschirr ist er gut zu sehen. Ist er im Dienst, braucht er volle Konzentration und sollte nicht abgelenkt werden.

Teilerkenntnis 7:
Blinde Personen haben die Möglichkeit, sich mit Armbinde oder Abzeichen zu kennzeichnen. Ebenso wie Langstock und Führhund gelten sie als gesetzlich anerkannte Verkehrsschutzzeichen.

Teilerkenntnis 8:
Eine Blindenampel gibt unterschiedliche, akustische Signale für rot und grün. So können Menschen mit einer Sehbehinderung hören, wann die Straße überquerbar ist.

Bitte stellen Sie für dieses Modul einen Fernseher und DVD-Player bereit.